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Auf den Spuren des Botanikers Mauritius
Hoffmann
Eine botanisch-kulturgeschichtliche Wanderung in Sulzbürg
Veranstaltet vom Verein zur Erforschung der Flora des Regnitzgebietes e.
V. im Rahmen von BayernTour Natur 2005 am 05. Juni 2005 in Sulzbürg
Landschaft und Geologie des Gebiets um Sulzbürg
Im Vorland der Mittleren Frankenalb erheben sich als charakteristisches
landschaftsbildendes Element sechs Zeugenberge. Von Norden beginnend sind
dies der Dillberg (mit Grünberg und Heinrichsbürg), der Tyrolsberg (mit Hoher
Ahnt), der Staufer Berg, der Buchberg und der Sulzbürger Komplex. Etwas
weiter westlich befindet sich noch der Möninger Berg. Hauptsächlich durch
Erosionsvorgänge wurden sie vom eigentlichen Juramassiv abgetrennt und
"zeugen" deshalb vom einstigen Verlauf des Traufs der Frankenalb.
Das Gebiet um Sulzbürg, gelegentlich auch "Sulzgebirge" genannt,
besteht aus einem Komplex von fünf Kuppen, nämlich dem Schlüpfelberg (573 m),
dem Schloßberg (567 m), dem Badberg (559 m), dem Galgenberg (541 m) und einer
namenlosen Anhöhe (540 m) auf dem Weg zum Galgenberg..
Der geologische Aufbau ist typisch für den Jura. Den flach ansteigenden
Sockel bildet die landwirtschaftlich intensiv genutzte Zone des Lias. Darauf
folgt die unterste Schicht des Dogger, der Opalinuston. Die Orte Körnersdorf
und Kerkhofen im Süden liegen an der Übergangszone zwischen beiden Schichten,
während Kruppach im Norden noch ganz auf Lias liegt. Im Nordosten, Osten und
im Südosten wird im Bereich der Sulz und des Roßbachs der Lias und teilweise
der Opalinuston von Terrassensanden verdeckt. Die wasserstauende Schicht des
Opalinuston bildet an der Grenze zum Eisensandstein einen Quellhorizont aus.
Die Quellen wurden zur Wasserversorgung der Orte genutzt. Die Brauerei Bender
in Mühlhausen verwendet dieses Quellwasser zur Bierherstellung. Auch die
Opalinustonschicht wird in der Regel landwirtschaftlich genutzt, teilweise
ist sie jedoch von Wald bedeckt. Vor allem im Frühjahr zeigt sich eine reiche
Flora, z. B. blühen hier das Buschwindröschen, das Gelbe Windröschen, die
Schuppenwurz, der Waldgelbstern, das Moschuskraut, das Lungenkraut, der Hohle
Lerchensporn, der Aronstab, der Seidelbast und vor allem die
Frühlingsknotenblume oder Märzenbecher, eine um Sulzbürg geradezu
charakteristische Art in den feuchteren Bereichen des Opalinuston.
Der Steilanstieg zeigt die Zone des Eisensandsteins an, der von Hohlwegen
durchzogen wird, deren Aufschlüsse oft eine genauere Betrachtung der
Schichtenfolge ermöglichen. Diese Stufe ist von Wald bedeckt, häufig
dominiert die Kiefer, aber auch Fichten und Buchen sind vorhanden. Den Boden
bedecken Trockenheit ertragende Pflanzen, z. B. Heidekraut, Schwarzbeere,
Besenginster, Weiße Hainsimse oder Tüpfelfarn. Jedoch befindet sich am
Südhang des Badbergs ein strukturreicher Biotopkomplex aus extensiv genutzten
Wiesen und Weiden, durchmischt mit Hecken, Feldgehölzen und alten Obstbäumen.
Charakteristische Pflanzen sind die Pechnelke, Sand-Grasnelke oder die
Ochsenzunge. Dieser Bereich wurde vom Bayerischen Landesamt für Umweltschutz
in die Reihe der "Naturschätze der Oberpfalz" aufgenommen. Ein
sowohl natur- als auch kulturhistorisches Relikt in diesem Bereich ist ein
Maulbeerbaum, der von den Versuchen der Seidenraupenzucht in Sulzbürg zeugt.
Der auf dem Eisensandstein folgende Ornatenton ist im Gelände als Verebnung
erkennbar. Allerdings erreichen nur mehr die untersten Schichten den
Schlossberg, den Badberg und den Galgenberg und bilden somit deren
Deckschichten. Nur der Schlüpfelberg wird von einem schmalen Ornatentonband
mit schwachem Quellhorizont umschlossen, darauf lagern noch die untersten
Schichten des Malms oder Weißen Juras. Im Volksmund wird deshalb der Gipfel
des Schlüpfelbergs als "Steinplatte" bezeichnet. Hier befanden sich
Steinbrüche.

Das Exkursionsgebiet auf der topographischen
Karte 1.50.000 (TOP50), Bayerisches
Landesvermessungsamt (2000)
Sulzbürgs Häuser schmiegen sich an die Hänge von Schloßberg und Badberg. Vor
allem der Schloßberg zeigt einen ziemlich komplizierten Feinaufbau, den Karl
Georg Schmidt 1925 in seiner Arbeit "Geologie von Neumarkt" (S. 85
ff.) genau dargestellt hat. Sulzbürg selbst liegt in der Eisensandsteinzone.
Allerdings befindet sich hier eine Tonlinse, die zu Rutschungen neigt. 1982
setzte sich der Hang letztmals in Bewegung. Fünf Häuser waren gefährdet,
wobei zwei Häuser wegen Einsturzgefahr geräumt werden mussten. Auf der Straße
bildeten sich Risse von 3 - 5 cm Breite. Der Hang wurde inzwischen durch
verschiedene Maßnahmen gesichert, z. B. durch die Errichtung von
Betonstützen, die in den unverrutschten Untergrund eingelassen wurden.
Geschichtlicher Abriss der Sulzbürger Gegend
Sulzbürg und Umgebung weist eine interessante geschichtliche Entwicklung auf.
Äußerst bemerkenswert und ungewöhnlich sind vor allem drei historische
Komplexe: die Vorgeschichte, die Geschichte der Wolfsteiner Reichsgrafschaft
und die konfessionelle Entwicklung. Vorgeschichte Lesefunde von
Steinwerkzeugen auf dem Schloßberg weisen bis in die Mittelsteinzeit (8000
bis 5000 v. Chr.). Eine erste sicher nachgewiesene und dauerhafte Siedlung
auf dem Schloßberg gehört jedoch der Epoche des Jungneolithikums an ( 3200
bis 2800 v. Chr.). Siedlungen sind auch für die Bronzezeit (2000 bis 700 v.
Chr.; eventuell Herrensitz und bronzeverarbeitendes Handwerk), die Hallstatt-
und La-Tène-Zeit nachgewiesen. In der zuletzt genannten Epoche, der
Keltenzeit, wird ein Siedlungszentrum mit eisenverarbeitender Industrie
angenommen. Reste dieser Siedlungen bzw. deren Befestigungen werden im
Randwall um den Schlossberg vermutet.
Überregionale Bekanntheit erhielt der Berg auch durch den Fund einer
germanischen Silberfibel, die zusammen mit anderen Funden auf eine
völkerwanderungszeitliche Höhensiedlung hinweist. Die verkehrsgünstige Lage
in der Nähe von bereits in der Vorgeschichte genutzten Verkehrswegen dürfte
der ausschlaggebende Grund für Kontinuität der Siedlungen sein. Auch auf dem
Schlüpfelberg befindet sich ein Ringwall, der Relikte aus verschiedenen
prähistorischen Epochen, aber auch aus dem Mittelalter enthält, z. B. wurde
eine karolingische Flügellanzenspitze (ca. 800 n. Chr.) gefunden.
Die
Reichsgrafschaft von Wolfstein zu Sulzbürg und Pyrbaum
Sulzbürg war über Jahrhunderte der Hauptort und "Regierungssitz"
eines eigenständigen kleinen Landes im damaligen Deutschen Reich. Es war also
unabhängig von Bayern bzw. Kurpfalz. 1540 erhielt Sulzbürg die Marktrechte
und 1544 ein eigenes Wappen. Durch die Eingemeindung 1976 nach Mühlhausen im
Zuge der Gebietsreform verlor Sulzbürg seine Marktrechte.
Die Reichsunmittelbarkeit, Voraussetzung für den Aufbau eines eigenständigen
Territoriums, wurde durch Kaiser Karl IV. 1353 verliehen bzw. bestätigt. Etwa
zur selben Zeit begann der Ausbau von Schloss Obersulzbürg auf dem Gipfel des
Schloßbergs. In der Nähe befand sich mit Niedersulzbürg ein weiterer
Herrschaftssitz mit zunächst verschiedenen Besitzern. 1403 erwarben die Wolfsteiner
diese Herrschaft. Die Burg wurde vermutlich im Dreißigjährigen Krieg
zerstört.
Das
hohe Ansehen der Wolfsteiner kam durch die Erhebung in den
Reichsfreiherrenstand 1522 und in den Reichsgrafenstand 1673 zum Ausdruck.
Der Name "von Wolfstein" leitet sich von der gleichnamigen Burg bei
Neumarkt ab. Zuerst waren die Sulzbürger Reichministeriale der Staufer
Könige; sie verwalteten deren Land. Der Zeitpunkt des Übergangs vom unfreien
Reichsministerialenstand in den Adelsstand ist jedoch nicht bekannt. 1249
waren die Sulzbürger als Stifter des Klosters Seligenporten tätig, wirkten
also bereits wie Adelige. Bis 1282 nannten sie sich "von Sulzbürg",
ab 1283 taucht der Name "von Wolfstein" auf. Es ist ungeklärt, wie
der Name auf die Herrschaft in Sulzbürg kam. Der Kauf der Burg Wolfstein,
eine Heirat zwischen Sulzbürgern und Wolfsteinern oder eine Erbschaft sind
die am häufigsten genannten Theorien.
Zum Territorium der Wolfsteiner gehörte bis 1462 Wolfstein bei Neumarkt und
Umgebung und bis 1534 auch das Gebiet um Allersberg. Um Sulzbürg, aber auch
um Pyrbaum bildete sich ein Machtzentrum heraus. Die beiden Gebieten waren
räumlich getrennt, bildeten aber zusammen die Reichsgrafschaft Sulzbürg und
Pyrbaum. 1562 sicherte sich der bayerische Herzog die Anwartschaft der
Reichslehen im Falle des Aussterbens der Wolfsteiner in der männlichen Linie.
Dieser Fall trat 1740 ein. Mit Christian Albrecht von Wolfstein starb der
letzte Wolfsteiner, nachdem bereits 1728 der Erbprinz Friedrich Wilhelm
August im Alter von zwölf Jahren verstorben war. Nun trat der Vertrag von
1562 in Kraft und die Reichsgrafschaft gelangte an Bayern. Das Schloss sollte
nun als Wohnungen für die bayerische Verwaltungsbeamte umgebaut werden, dabei
stürzte ein Stockwerk ein. Der bayerische Kurfürst verkaufte kurzerhand das
Schloss um 2000 Gulden. Es wird erzählt, dass damals die kupfernen Dachrinnen
schon alleine soviel wert gewesen wären. Die neuen Besitzer verwendeten das
Schloss als Steinbruch, so dass in der Gegenwart nur mehr einige wenige
Mauerreste zu sehen sind.
Konfessionelle
Entwicklung
Die Wolfsteiner Herrschaft ließ die Reformation zu und förderte sie auch, so
dass bis 1584 die Reformation abgeschlossen. Auch die angrenzende Kurpfalz
war zu dieser Zeit reformiert. Als diese an Maximilian I. gefallen war, ließ
dieser die Gegenreformation durchführen, denn der Herrscher bestimmte damals
die Religion seiner Untertanen. Da das Wolfsteiner Herrschaftsgebiet
unabhängig war, blieb es evangelisch. Als das Land 1740 an Bayern fiel, hatte
der Kurfürst das formale Recht, den katholischen Glauben wieder einzuführen.
Es wurden auch Versuche unternommen, z. B. entstand ein Kapuzinerkloster auf
dem Schlossberg zur Missionierung. Auch mussten die bayerischen
Verwaltungsbeamten der katholischen Konfession angehören. Dennoch unterblieb
eine konsequente Rekatholisierung. Durch den Zuzug katholischer Bewohner
wurde eine katholische Kirche und eine katholische Schule benötigt, die beide
auf dem Schlossberg neben der evangelischen Schlosskirche errichtet wurden.
Das Gebiet um Sulzbürg war das erste größere geschlossene Gebiet, das an das
ansonsten weitgehend katholische Bayern kam und wird deshalb als
"Urzelle" des Dekanats Neumarkt bezeichnet. Auch gegenwärtig sind
noch einige Orte, wie z. B. Kerkhofen oder Hofen fast zu 100 Prozent
evangelisch und bilden eine evangelische "Insel" inmitten der
katholischen Oberpfalz.
Vielfach wird das Gebiet der ehemaligen Reichsgrafschaft als
"Landl" bezeichnet. Dieser Name geht auf österreichische Exulanten
mit protestantischer Konfession zurück, die aus Glaubensgründen ihre Heimat
verlassen mussten und in der protestantischen Wolfsteiner Grafschaft Aufnahme
fanden. Diese Leute stammten aus dem "Ländchen ob der Enns" und
brachten diesen Namen mit, den sie auf ihre neue Heimat übertrugen.
Vermutlich seit dem 14. Jahrhundert fanden Juden in der Wolfsteiner
Herrschaft Aufnahme. Mitte des 19. Jahrhunderts war der zahlenmäßige
Höhepunkt erreicht. Beinahe ein Drittel der Sulzbürger Bevölkerung war
jüdisch, ein weiteres Drittel katholisch und das letzte Drittel evangelisch.
Aus wirtschaftliche Gründen wanderten aber viele Juden ab. 1933 wohnten noch
16 Juden in Sulzbürg, die sechs letzten Juden wurden 1939 nach Theresienstadt
deportiert. Heute erinnert noch der Friedhof, einige Judenhäuser und die
inzwischen als Wohnhaus genutzte ehemalige Synagoge an die jüdische
Bevölkerung
Sehenswertes in Sulzbürg
Evangelische Schlosskirche St. Michael, 1723 geweiht, mit Kanzelaltar und
Grafengruft; katholische Pfarrkirche Mater dolorosa, erbaut 175/58, Turm
1877; kath. Pfarrhof, um 1750, ursprünglich Teil eines Klosters; evangelische
Pfarrkirche hl. Dreifaltigkeit, sog. Marktkirche; Judenfriedhof, vor 1450
angelegt, 1905 erweitert; Felsenwohnung, oberhalb des Judenfriedhofs;
Mühlhauser Torhaus, 17./ 18. Jahrhundert; ehemalige Judenhäuser (Hinterer
Berg 1, 3), mit Ritualbad ("Mikwe"); ehemalige Forstdienststelle,
(Engelgasse 11), Walmdachbau, 1711; "Weilhaus" (Schloßberg 2),
ehemaliges Beamtenhaus des Schlosses, Anfang 18. Jahrh.; Gasthaus "Zur
Linde" (Marktplatz 8), Halbwalmdachbau, 17./18. Jahrh.; Burgstall
Obersulzbürg mit den Resten des Torbaues; Burgstall Niedersulzbürg, in der
Nähe das "Pandurenloch" (Höhle mit künstlicher Erweiterung);
"Landlmuseum", ehemaliges protestantisches Schulhaus, viele
Exponate zur Vor- und Regionalgeschichte.
Literatur (in Auswahl):
BÖHM, J. (1897): Die ehemalige Wolfsteinische
Reichsgrafschaft Sulzbürg-Pyrbaum. - In: Bayerland 8.
BOSL, K. (1941): Die Reichsministerialität als Träger staufischer Staatspolitik
in Ostfranken und auf dem bayerischen Nordgau. - In: Jahrbuch des
Historischen Vereins zu Mittelfranken 69.
FISCHER, TH. (1988): Römer und Bajuwaren an der Donau.
HERTEL, W. (1967): Der Schlossberg von Sulzbürg, eine Landmarke an der
oberpfälzisch-fränkischen Grenze. - In: Die Oberpfalz 1967.
LAMPL, S. (1986): Denkmäler in Bayern, Band III, Oberpfalz.
REISENHAUER, H. (1991): Der Schlossberg zu Sulzbürg.
ROST, C. (1990): Die Reichsherrschaft Sulzbürg-Pytbaum. Entstehung -
Entwicklung - Innere Struktur.( Zulassungsarbeit).
SCHMIDT, G. (1925): Geologie von Neumarkt.
SCHMIDT-KALER, H. (1981): Geologische Karte von Bayern 1:25000. Erläuterungen
zu Blatt 6834 Berching.
SIGL, J., DENGEL L. & A. GALLER (2000): Mühlhausen. 1100 Jahre
Entwicklung. STARK, TH. (1949): Das Landl.
WEINBERG, M. (1927): Geschichte der Juden in der Oberpfalz. IV.: Sulzbürg.

Schloßberg und Badberg, im Vordergrund Erasbach (Foto: F. Fürnrohr)

Die Sulzbürger Zeugenberge von Pollanten (im Vordergrund) aus gesehen. Ganz
rechts der Schlüpfelberg (Foto: F. Fürnrohr)
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